Erwartungsvolle Gesichter am Nikolaustag

Voller Erwartung springen die Kinder am Nikolaustag aus ihren Betten. Dieses Mal gibt es auf dem Weg zur Tür keine Stolpergefahren, denn es wurde aufgeräumt. Könnte ja sein, dass der Nikolaus noch einen Blick ins Zimmer wirft. Und wer da nicht vernünftig aufgeräumt hat, könnte ja vielleicht zu wenig in seinem Schuh finden. Zumindest drohen die Eltern gerne damit. Doch wie jedes Jahr, sind die Schuhe ordentlich geputzt und prall gefüllt. Egal ob aufgeräumt oder nicht, ob artig oder unartig.

Der kreative Nikolaus

Der Nikolaus wird in dieser modernen Zeit immer einfallsreicher und legt den Kids nicht nur Süßes in die Schuhe. Nein, es wird richtig zelebriert und der weißbärtige Mann mit der Lebensmittelschwangerschaft wird immer großzügiger. Mittlerweile bekommen die Kids nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Spielzeug.

Der Nikolaustag macht Eltern zu Geschichtenerzählern

Schon Tage vorher stalken uns die Kleinen und fragen gefühlt tausend Mal am Tag, wann denn der Nikolaus endlich kommt. Und wehe wir antworten nur kurz und knapp. Nein. Wir müssen ihnen ausführlich erklären, wieso es noch so lange dauert. Wir werden zu kreativen Geschichtenerzählern. Wenn wir all die ausgedachten Möglichkeiten seiner Abenteuer auf dem Weg zu uns aufschreiben und zu Büchern binden würden, wären wir erfolgreicher als die Autorin von Harry Potter (nichts für ungut, du bist auch toll).

Der Nikolaus war da!

Dann ist es endlich soweit. Die Kinder öffnen das Tor zum Glück und bekommen den Adrenalinkick ihres kurzen Lebens. Der Nikolaus war da! Die Augen und der Mund weit aufgerissen. Dann kommt ein schriller, ca. 30 sekündiger Schrei, welcher unseren gesamten Gehörgang durchbohrt. Fast taub und benommen versuchen wir unser Gleichgewicht nicht zu verlieren und versuchen uns irgendwo festzuhalten, um nicht zu fallen. Gleichzeitig müssen wir den Schein wahren und den Kindern durch ein gespieltes Lächeln signalisieren, dass alles okay ist und dass wir uns genauso freuen wie sie. Ein tolles Erlebnis. Nichts geht über strahlende Kinder, die sich früh morgens Süßigkeiten in den Bauch knallen. Das breite, mit Schokolade verzierte Grinsen. Irgendwie schön.

Konsum im Überfluss zur Weihnachtszeit und am Nikolaustag

Den eigentlichen Sinn des Nikolaus werde ich jetzt nicht genauer aufschreiben. In der jetzigen Zeit interessiert es sowieso niemanden. Vorsicht…! Mein Zynismus kommt langsam durch. Bitte anschnallen, es wird ruckelig. Es ist die Wahrheit. Weihnachten, Nikolaus, Ostern. Für uns sind es einfach nur noch Tage geworden, an denen wir Geld ausgeben müssen. Wir werden regelrecht dazu genötigt. Man kann zur Vorweihnachts-, Nikolaus-, Weihnachts- oder Osterzeit nicht einkaufen gehen, ohne dass man von allen Seiten von saisonalen Konsumgütern penetrant angesprungen wird. Konsum im Überfluss. Im Kindergarten oder in der Schule ist es schon Standard, dass man sich erzählt, was man alles bekommen hat. Und wehe du hast nicht so viel wie die anderen. Aber so ist das heute. Ein Messen, ein Konkurrenzkampf.

Kunst, Mathematik und andere Fächer lernen unsere Kinder schon in der Schule. Nächstenliebe, Respekt, Wertschätzung und Vertrauen müssen wir Eltern lehren. Und gerade zur Weihnachtszeit sollten wir uns alle in Erinnerung rufen, worum es beim 6. Dezember, dem Nikolaustag geht:

Und zwar um die gemeinsame Zeit mit der Familie, sich gern zu haben, gütig zu sein und Unterstützung an Hilfebedürftige und Arme zu widmen. Danke, für diese Moral, lieber Nikolaus.